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Käthe
Braun-Prager
(Katharina
Maria Braun), 1888 in Wien geboren, stammte aus einem österreichisch-jüdischen
Elternhaus. Die Mutter starb bei ihrer Geburt, als Ihr Bruder
Felix (1) gerade drei Jahre alt war. Der Vater, Eduard
Braun, heiratete ein Jahr später die Schwester der Mutter,
Laura Kohn. Einige Jahre später wurde ihr Halbbruder Robert (2)
geboren. Vom dichtenden Großvater (3) sehr beeindruckt,
schrieb ihr Bruder Felix schon mit 14 Jahren sein erstes
Theaterstück Die Kastellianerin und das hat sicherlich
auch Käthe Braun-Prager in literarischer Hinsicht beflügelt.
Die Geschwister Braun verband eine sehr starke seelische und
geistige Beziehung, die noch bis zum ihrem Tod andauerte.
Das liberal-bürgerliche Elternhaus ermöglichte Käthe
Braun-Prager, meiner Großmutter, eine Ausbildung in einer höheren
Töchterschule und sie absolvierte 1907 auch die Staatsprüfung
in Stenographie. Um die Familie finanziell zu unterstützen,
arbeitete Käthe Braun-Prager als Privatlehrerin und seit 1907
als Beamtin in der Creditanstalt in Wien. Zu dieser Zeit hatte
sie schon viele Gedichte und Aphorismen verfaßt, aber kaum
etwas veröffentlicht. Als sensible und zarte Frau hatte sie
aber anscheinend unter der strengen und beamtischen Atmosphäre
im Büro gelitten, was von ihr in der Erzählung Büro
auf eine sehr dramatische und phantasievolle Weise umgesetzt
wurde. Ein kleiner Beamter, zermürbt, gestoßen, ungeliebt,
verfällt dem Zahlenwahnsinn und geht schließlich daran
zugrunde.
Vom nicht-religiösen Elternhaus unbeeinflußt,
konvertierte Käthe Braun-Prager zum evangelischen, in späteren
Jahren zum katholischen Glauben. Ihr Bruder Robert berichtete in
seinen Lebenserinnerungen von der religionskritischen
Einstellung des Vaters, als dieser in Rumänien einen Rabbiner
sah: "Er beobachtete, daß dieser nur gegen Geld
freundliche Hilfe leistete, um so freundlicher, je größer der
Betrag war. Bei den christlichen Priestern glaubte er Ähnliches
zu finden. Nur die Reichen erhielten strahlende Begräbnisse.
Die Frömmigkeit der Kirche hielt er mehr oder weniger für
Volksbetrug..." (4) "Er bezeichnete das Tun der
Priester in den Kirchen als Hokuspokus, die Zeremonien als
'Mumpitz'." (5) Für den Vater war es das wichtigste, ein
anständiger Mensch zu sein, sein Handeln zu verantworten, und
er versuchte, den Kindern ein ethisches Verhalten vorzuleben.
Auch ihre Mutter konvertierte, wohl aus Angst vor Verfolgung und
aus Sympathie für die Kinder, im Jahre 1938 zum katholischen
Glauben.
Durch antisemitische Äußerungen in ihrem Umfeld,
die die jüdischen Kinder schon früh und auch später erfahren
haben, waren die christlichen Religionen für sie sicherlich
sehr willkommen. Auch die Hoffnung war damit verbunden, zu einer
angesehenen und geliebten Gemeinschaft zu gehören. Das
religiöse Empfinden steigerte sich noch, als Käthe
Braun-Prager nach einem Hotelbrand, dem sie glücklicherweise
entkommen war, die Heilige Therese von Lisieux zu verehren
begann. Und doch war Käthe Braun-Prager absolut freidenkerisch
und tolerant.
Nach einigen mißglückten Liebesbeziehungen lernte
Käthe Braun-Prager den Schriftsteller und Philosophen Dr. Hans
Prager (6) kennen, den sie 1917 heiratete. Erst drei
Jahre später wurde ihre Tochter Ulrike (7) geboren,
und es ist zu vermuten, daß ihr die Geburt Todesängste
bereitete, da doch ihre eigene Mutter bei ihrer Geburt starb,
was sie auch bedrückte und ihr Leben lang begleitete. Sogar
Felix Braun widmete in seiner Autobiographie (8) der
toten Mutter ein ganzes Kapitel.
Käthe Braun-Prager, seit 1920 freie
Schriftstellerin, war ihrer Zeit voraus und lebte sehr
gesellschaftsbezogen. In der Wiener Wohnung (9) gingen
viele bekannte Künstler ein und aus. Käthe Braun-Prager war
auch die führende und organisatorische Kraft in der Familie.
Ihrem Ehemann, zwar intellektuell, aber etwas weltfremd und
unpraktisch, war es nicht immer möglich, die Familie zu
erhalten. Obwohl es stets an Geld fehlte, hatte Käthe
Braun-Prager immer noch Zeit und Phantasie, ihre Gedichte, Erzählungen
und viele Aphorismen zu verfassen und für den Lebensunterhalt
der Familie zu sorgen. Auch versuchte sie sich als
"Literaturagentin", indem sie mit wichtigen Leuten
Kontakt aufnahm, um ihnen die Werke von Felix Braun und Hans
Prager anzubieten.
Wie tolerant und offen die Beziehung zwischen den
Eheleuten war, ist auch in einem Brief vom 4. Juni 1925 zu
lesen: "Daß Dir die Freundschaft mit Fräulein Nieß
soviel geben kann, freut mich merkwürdigerweise, wenn Du
aber trotz inneren Widerstreben aus purer Anständigkeit Dich für
sie entscheiden solltest, so weißt Du wie leicht ich Dir immer
alles mache. Aber ich glaube, Du bist zu faul dazu, Dein Leben
zu ändern, so lange ich lebe. Gott sei Dank (...). Mir tut aber
sehr leid, daß ich meine einzige seelische Konkurrentin nicht
persönlich kennenlernen konnte. Du weißt, wie sehr ich solche
Frauen schätze (...)."
In einem Brief vom 29. März 1926 schreibt sie
etwas kokett an ihren Mann: "Heute soll ein Ausflug nach
(...) mit den ganzen Theaterleuten sein, aber ich habe
beschlossen nicht zu gehen, weil der Intendant mich wirklich
verehrt und meinetwegen mitkommt. Aber an unserem Hochzeitstag
will ich nicht flirten; er gefällt mir sehr und wenn ich nicht
verheiratet wäre, würde ich ihn vielleicht nehmen. Weil ich
aber Angst vor ihm heute habe, fahre ich nach Heidelberg
voraus", um dann trotzdem später zu bemerken: "...du
gehst mir furchtbar ab."
1927 wurde ihr Drama Anna Mayer in der
Wiener Schauspielervereinigung "Sprungbrett" mit
Erfolg uraufgeführt. Es handelt sich hier um den Kampf der
Mutterliebe und um die Zwiespältigkeit der Frauenseele. 1928
bis 1938 gründete und leitete sie die "Literarische
Frauenstunde" bei Radio Wien und hielt unter anderem Vorträge
über berühmte österreichische Frauen. Schon früh hatte sie
sich sehr intensiv mit den Frauenschicksalen und der
Frauenliteratur beschäftigt. Käthe Braun-Prager befreundete
sich auch mit der Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Rosa
Mayreder (10), deren Werke sie herausgegeben hat und zu der sie
ein inniges und geistiges Verhältnis hatte.
1929 veröffentlichte Käthe Braun-Prager ihren
ersten Gedichtband; in den darauf folgenden Jahren erschienen
weitere Gedichte sowie Aphorismen und Essays. 1930 leitete sie
die "Literarischen Vortragsabende" im Hotel de France
in Wien und hielt Vorträge auch an den Sendern Breslau, Berlin
etc. Auch im Café Katharinen-Hof in Sievering, Wien, fanden
1934 unter ihrer Leitung literarische Vorträge unter dem Motto
"Döblinger Dichter" statt. Bedingt durch die
politische Situation schrieb sie in den dreißiger Jahren auch
unter dem Pseudonym (11) Anna Maria Brandt und veröffentlichte
viele Essays. Einige Gedichte von Käthe Braun-Prager wurden in
diesen Jahren auch vertont, die die Sängerin Maria Donath und
der Komponist Carl Frühling in der Urania in Wien vortrugen.
Ihre beiden Brüder Felix und Robert Braun waren zu dieser Zeit
schon angesehene Schriftsteller, auch ihr Mann Hans Prager hielt
Vorträge und arbeitete an seinen Werken über Shakespeare und
Dostojewski.
1935 starb ihr Vater Eduard Braun an Herzversagen.
Die Existenzängste und die Aufregungen durch die schwierige,
politische Situation waren zu viel für ihn.
Im März 1938 wurden die drei Wohnungen der Familien
Braun und Prager gekündigt, so daß die Emigration bevorstand.
Käthe Braun-Prager konnte aber wenigstens noch erreichen,
daß sie für die Auflösung eine "Gnadenfrist" von
einigen Monaten erhielt. Ihre Tochter Ulrike flüchtete nun nach
Paris, einige Monate später reiste Hans Prager, wie vom Tode
gezeichnet, ebenfalls nach Frankreich. Kurz vorher hatte er sich
noch die Schilddrüse operieren lassen, da er die Emigration
nicht mit einem Leiden beginnen wollte. Im
Rothschild-Krankenhaus der jüdischen Gemeinde in Wien hatte ihm
ein bekannter Chirurg, nervös geworden durch die zahllosen
Schwerverletzten der Pogrome, zuviel von dem Organ
weggeschnitten und die Folgen waren nun schlimmer als das Übel
selbst. (12) Robert Braun fuhr nach Schweden, wurde von dort
wieder zurückgeschickt mit dem Befehl, sich in Berlin bei der
Gestapo zu melden. Doch glücklicherweise wurde er vorgewarnt,
und in Wien angekommen, konnte er durch Nils Silfverskjöld, den
geschiedenen Mann der Wiener Tänzerin Grete Wiesenthal (13),
der in Schweden lebte, bei einem zweiten Versuch mit seiner
Familie in Schweden bleiben.
Im Februar 1939 emigrierte Käthe Braun-Prager mit
ihrer Mutter und mit wenig Geld (14) nach England, wo sie dann
Felix Braun trafen, der direkt von Italien aus über die Schweiz
nach England flüchtete, da er nur eine
"Durchreisegenehmigung" für die Schweiz erhielt. Ihre
Tante Helene wollte nicht mitkommen und ist 1940 nach
Theresienstadt deportiert worden und dort umgekommen. Das Hab
und Gut der ganzen Familie, das Käthe Braun-Prager vor der
Abreise einer Spedition in Wien übergeben hatte, ist übrigens
nie in England angekommen. Es wurde von dieser absichtlich zurückgehalten,
so daß die Gestapo (15) 1940 Zugriff erhalten konnte und den
Nachlaß versteigern ließ. Die Familie hatte unter dem Verlust
sehr gelitten, denn es handelte sich hier auch um ein
umfangreiches geistiges Gut.
In England lebte die Familie anfangs in Finsthwaite
im Norden Englands. Dort gab es einige wunderbare Menschen, die
Käthe Braun-Prager und ihrer Familie halfen, um zu überleben,
und sogar die Bauern des Ortes brachten das Geld für die Miete
zusammen. (16) Die Familie wurde allerdings von der Polizei überwacht,
aber die Leute im Dorf kümmerten sich rührend um sie und auch
in dieser Zeit schrieb sie weiterhin ihre Gedichte und Erzählungen.
Da Finsthwaite zur Kriegszone erklärt wurde, mußte Käthe
Braun-Prager mit ihrer Familie innerhalb von 24 Stunden das Dorf
verlassen, und durch die Hilfe einer Freundin kamen sie in die
Kleinstadt Kendal in Westmorland, wo sie fünf Jahre lebten, um
später in London (17) Fuß zu fassen.
Käthe Braun-Prager versorgte ihre Familie so gut
es ging, aber auch ihr Bruder Felix tat sein Bestes. Es ist
bewundernswert, wie sie trotz großer Geldsorgen und Ängste vor
Verfolgung immer wieder versuchte, jedem Mut zuzusprechen, was
auch in vielen ihrer Briefe zum Ausdruck kommt. Auch die
Sehnsucht nach ihrer Tochter Ulrike, die in Paris lebte, war
sehr groß und die Briefe zwischen Mutter und Tochter sind schon
fast ein literarisches Ereignis. (18) Es war auch immer die Rede
davon gewesen, sich in Paris oder London zu treffen, aber durch
die finanzielle und politische Situation war es irgendwann nicht
mehr möglich gewesen.
Ihre Ehe mit Hans Prager war sehr stark
geistig-seelisch geprägt, und doch ist aus ihrem Gedicht (19)
die große Einsamkeit zu spüren.
Tote Liebe
Wir schlafen in Särgen, er und ich
hat keiner beim Andern mehr Raum
Er liebt nicht mehr mich, er liebt nur mehr sich
und ich meinen Mädchentraum.
Die
Träne treibt die Zeit voran, -
er schaut viel auf die Uhr.
Was haben wir mit uns getan!
Ein Herbstblatt ist unser Schwur.
Sicherlich
ist Hans Prager an Hitler und an seinen Helfershelfern
zerbrochen und dadurch sein Lebenswillen erloschen. Der
Aufenthalt in einem Internierungslager, die Sorge um die
Familie, Angst vor Verfolgung in Paris sowie die mißglückte
Operation waren zu viel für ihn. Er starb im Dezember 1940,
geschwächt an Hunger und Medikamentenmangel, im
Rothschild-Krankenhaus in Paris.
Käthe Braun-Prager hatte vom Tod ihres Mannes erst
viele Monate später erfahren, warum auch immer, anscheinend
wollte ihre Tochter sie nicht aufregen. Die Trauer um den
Verlust ihre Mannes hatte sie auch in vielen Aphorismen und
Gedichten zum Ausdruck gebracht, wie "Lebensgefährte: Erst
wenn wir ihn betrauern müssen, leben wir mit ihm" (20)
oder in ihrem Gedicht: (21)
Die
Witwe
Sie ist nur ein Bild
im Rahmen,
wenn sie nachts aus dem Fenster lehnt.
Ein Mensch ohne Heimat und Namen,
der sich nach nichts mehr sehnt.
In
der Emigration nahm Käthe Braun-Prager eines Abends ein Stück
Kohle aus dem Feuer und fing das erste Mal in ihrem Leben zu
malen an, sie war zu dieser Zeit bereits über 50 Jahre alt.
Viele Bilder (22) sind von ihr in diesem Jahren entstanden, wie Zwei
russische Bäuerinnen und Pariser
Grisette, auch arbeitete sie gerne mit Plastilin. Ihre
Freundin Ella Iranyi (23), selbst Malerin, war zu dieser Zeit
verschollen und die Geschwister Braun dachten, daß die aus dem
Leben gerissene edle Künstlerin ihr einziges Eigentum, die
Malkunst, Käthe Braun-Prager geheimnisvoll vererbt habe.
Sicherlich hat ihr diese künstlerische Form über die schwere
Zeit hinweggeholfen.
Käthe Braun-Prager hielt in England viele Vorträge,
so auch beim Sender BBC in London, auch über österreichische
Komponisten, arbeitete als Kunstgewerblerin, schrieb Gedichte,
Erzählungen, Aphorismen und übersetzte unter anderem ein Buch
über Charles Dickens. (24) Ihre Liebe zu England und den Dank
an das englische Volk drückte sie in The Light of England
aus (25), das sie im Jahre 1951 zum Abschied an die
Gastgeber überreichte.
Als Käthe Braun-Prager mit ihrem Bruder Felix und
ihrer Mutter 1951 nach Wien zurückkehrte, dauerte es viele
Jahre, bis die Familie in Wien wieder richtig Fuß fassen
konnte. Eine große Wohnung (26) wurde der Familie von der Stadt
Wien zur Verfügung gestellt, allerdings waren die sanitären
Verhältnisse katastrophal, aber sie hatten genug Platz und
versuchten dort ein normales Leben zu führen. Die Tochter von Käthe
Braun-Prager lebte mit der Enkelin Tatjana schon sei t1947 in
Wien und wartete sehnsüchtig auf die Familie. Für meine Großmutter
muß es zu dieser Zeit auch deshalb schwer gewesen sein, da sie
ohne Mann, ohne finanzielle Mittel, in schwierigen Wohnverhältnissen
und die kranke Mutter versorgen mußte, die 1953 starb. (das
Sterbedatum der Mutter habe ich hier geändert, da im Buch von
mir falsch angegeben)
In diesen Jahren stellte Käthe Braun-Prager ihre
Bilder in Kollektivausstellungen in Österreich und in anderen Ländern
aus. Das Bundesministerium für Unterricht sowie die Österreichische
Galerie in Wien haben einige ihrer Bilder erworben. Felix Braun
äußerte sich über die Bilder seiner Schwester. "Wer
diese Blätter betrachtet, könnte schwerlich angeben, woher sie
stammten. Kein Vorbild, kein Meister wird an ihnen ergründbar
(..). Es sind Gedichte, dargestellt durch ein anderes
Mittel." (27) Es entstanden Bilder über Menschen im KZ, in
Gefangenschaft, den Folterknecht, den Gauleiter etc. sowie den
Erfinder der Atombombe, dessen kahler Schädel selbst die Form
der Bombe hat, sowie Themen aus dem Alten und Neuen Testament.
Auch als Herausgeberin von Anthologien hatte Käthe
Braun-Prager sich einen Namen gemacht, und Thomas Mann
gratulierte ihr am 18. Oktober 1953 zu ihrem Buch Liebe.
(28) "...schönsten Dank für Ihr weltliterarisch
fabelhaft umsichtiges Buch der Liebe!..."
In den Erzählungen von Käthe Braun-Prager spielt
die Mutter bzw. die Mütterlichkeit eine große Rolle und das in
den verschiedensten Facetten. Sie zeigen die einfache Frau um
1900, mit ihrer Sehnsucht nach Geborgenheit einerseits, aber
auch dem Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit, oder wie in Bauernhochzeit
eine Frau, die lieber sterben will, als sich einem
ungeliebten Mann hinzugeben. Käthe Braun-Prager beschreibt die
innere Zerrissenheit, die Problematik von Beziehungen;
Wirkliches vermischt sich mit Unwirklichem. Auf erstaunliche
Weise gelingt es ihr, sich in andere Personen hineinzuversetzen,
mit ihnen zu fühlen und zu leiden. Auch mit dem Leid der Tiere
hatte sich Käthe Braun-Prager schon früh beschäftigt. Die
weißen Tiere rächen sich und begleiten den Förster in den
Tod, in den er sie einmal geschickt hatte. Die Grundthemen sind
Liebe, Haß, aber auch die Sehnsucht nach dem Tod und dem
Jenseits, wie in Sterben sehr eindrucksvoll
geschildert. Eine Spur von Traurigkeit, mystischer Faszination,
aber auch Ironie zieht sich wie ein roter Faden durch ihre
Novellen.
In einem Brief vom 18. November 1966, an den ich
mich nicht mehr erinnern kann, schreibt meine Großmutter an
mich: "(...) es mir ein gutes Gefühl zu wissen, daß ich
nach meinem Ableben eine Seele weiß, die meine Arbeit schätzen
und vielleicht in irgendeiner Weise fortsetzen wird (...) was
meine Novellen betrifft, so bin ich sehr froh, daß sie Dir
gefielen (...)."
Das Verhältnis zum Tod hatte in der Familie immer
eine große Rolle gespielt, aber eigentlich in humorvoller
Weise. Trotzdem neigte Käthe Braun-Prager manchmal zu schweren
Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken, die auch in
Gedichten und Aphorismen zu erkennen sind wie: "Ich wollte
in einen Laden gehen und eine Bestellung auf meinen Tod
machen." (29)
Käthe Braun-Prager starb am 18. Juni 1967 im
Krankenhaus und wurde am Ehrenhain (30) im Wiener
Zentralfriedhof begraben. Ich möchte mit dem von ihr verfaßten
Grabesspruch (31) mein Nachwort beenden und wünsche mir, daß
meiner Großmutter die Ehre zuteil wird, die sie verdient:
Was
ich je gedacht und ausgesprochen,
Hat mein dünnes Lebensglas zerbrochen.
Was ich nie gesagt, nie aufgeschrieben,
Ist als Glanz von mir zurückgeblieben.
Fußnoten
-
Dr.
Felix Braun (1885-1973) - Dichter, Schriftsteller, Essayist,
Dramatiker - Freund von Stefan Zweig u.a. - Hauptwerk: Agnes
Altkirchner, Zsolnay, Wien 1965 - Romane, Gedichte, Erzählungen,
Dramen - Tantalos, Burgtheater, Wien, 29.4.1932 -
Kaiser Karl V., Burgtheater, Wien, 2.5.1936 u.a.
-
Dr.
Robert Braun (1896-1972) - Schriftsteller, Dichter,
Kritiker, Essayist - Werke: Abschied vom Wienerwald,
Styria, Graz 1971 - Josephine von Schweden, Amandus,
Wien 1948 - Die Mutter der Flüchtlinge, Stiasny,
Graz 1961 u.a. - Mitarbeit an österreichischen/deutschen/schweizerischen
Zeitungen und am Rundfunk, 1938 Emigration nach Schweden,
Bibliothekar am Kunsthistorischen Institut von Uppsala -
Pseudonym Robert Montis - Emil Reich-Preis für
Lyrik, 1928 - langjähriger Mitarbeiter der Wiener Presse -
1963 Professorentitel
-
Moritz
Khon schrieb Theaterstücke wie Der Herzog befiehlt
und Liedertexte für Wiener Volkssänger, Couplets für
Alexander Girardi
-
Abschied
vom Wienerwald von Robert Braun, Styria, Graz 1971, S.
106.
-
Ebd.,
S. 102
-
Dr.
Hans Prager (1887-1940) - Philosoph,
Literaturwissenschaftler, Essayist, Dostojewski- und
Shakespeare-Forscher, Kritiker, Freimaurer - Werke: Die
Weltanschauung Dostojewskis (Einleitung von Stefan
Zweig), Verlag Borgmeyer, Hildesheim 1925 (wurde ins
Russische übersetzt) - Das indische Apostolat (über
Gandhi), Rotapfel-Verlag, Zürich 1925 - Wladimir
Solowjeff's universalistische Lebensphilosophie, Mohr,
Tübingen 1925 - viele Beiträge in den Zeitschriften Logos,
Antaios und Imago - ein umfangreiches, noch unveröffentlichtes
Werk liegt in der Österreichischen Nationalbibliothek,
Wien)
-
Ulrike
Popovic´, geb. Prager (1920-1994) - in Wien geboren, 1938
Emigration nach Paris, 1942 Heirat mit Vasilije Popovic´ in
Paris, Geburt ihrer Tochter Tatjana Madeleine (Tanja) im
September 1944 in Paris, ab 1947 in Wien und München,
Sprachenlehrerin, Dolmetscherin
-
Das
Licht der Welt (Autobiographie) von Felix Braun,
Herder, Wien 1949, Volksbuchverlag, Wien 1962 - (Kapitel:
Die vergessene Mutter).
-
Sieveringer
Straße 188, Wien.
-
Rosa
Mayreder (1858-1938) - Frauenrechtlerin, Dichterin,
Essayistin, Philosophin, Malerin - Werke: Essays Geschlecht
und Kultur und Zur Kritik der
Weiblichkeit (wurde in mehrere Sprachen übersetzt),
Diederichs, Jena 1907/1923, und Mandelbaum, Wien 1998 - Tagebücher
1873-1937, Insel, Frankfurt/M 1988 - Autobiographie
Das Haus in der Landskrongasse, Mensa, Wien
1948, Mandelbaum, Wien 1998 - Novellen, Essays, Romane,
Gedichte u.a. Drama Anda Renata - Libretto zu
Hugo Wolfs Oper Der Corregidor.
-
Siehe
Lexikon deutsch-jüdischer Autoren, Saur-Verlag, München
1995, Bd. 3, S. 442
-
Vgl.
Robert Braun, Abschied vom Wienerwald, S. 258.
-
Grete
Wiesenthal (1885-1970) - Tänzerin, Freundin der Familie
-
1939
verkaufte Braun-Prager aus finanziellen Gründen ca. 50
Briefe von Hugo Wolf an das British Museum in London für
einen lächerlichen Betrag von 55 Pfund, was unter den
damaligen Umständen sicherlich ausgenutzt wurde.
-
Kopie
des Briefes der Gestapo vom 5.11.1940 (mit Verfügung vom
19.8.1940) an die Spedition ist in meinem Besitz
-
Vgl.
Die Bilder meiner Schwester, von Felix Braun, in: Österreich
und die angelsächsische Welt, Braumüller, Wien 1961.
-
14,
Greville Place, London.
-
Ein
Teil des Briefwechsels zwischen Käthe Braun-Prager und
ihrer Tochter sind in meinem Besitz.
-
Enthalten
in Verfrühter Herbst von Käthe Braun-Prager,
Gerstel Verlag, Wien 1932.
-
Ruhe
in der Ferne, Österreichische Verlagsanstalt,
Wien 1972.
-
In
Verfrühter Herbst, Gerstel Verlag, Wien 1932
-
Ein
großer Teil ihrer Bilder, ihre vergoldete Staffelei und
ihre alte Schreibmaschine (Baujahr 1910) sind in meinem
Besitz.
-
Ella
Iranyi (1888-1942) - Malerin, Dichterin, wurde 1942 in
Izbica ermordet.
-
Übersetzung
von Charles Dickens von Eleanor Graham, Zsolny, Wien
1953.
-
Gewidmet
an Mrs. Davies, 26 Seiten, Privatdruck.
-
Geistingergasse
1/9/3 im 19. Bezirk, dort gibt es seit 1977 die
Felix-Braun-Gasse.
-
Die
Bilder meiner Schwester, von Felix Braun, in: Österreich
und die angelsächsische Welt, Braumüller, Wien 1961, S.
285.
-
Anthologie
Liebe, Zsolnay, Wien 1953 - Das Buch der Mütter,
Zsolnay, Wien 1955.
-
Ruhe
in der Ferne, Österreichische Verlagsanstalt, Wien
1972.
-
Zusammen
mit ihrer Tochter Ulrike.
-
Der
ursprüngliche Text lautete anders und ist eine einzige
Selbstanklage und wurde schon 1943 verfaßt.
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